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Hochschulpresse: Pressearchiv 2006

FH Deggendorf will in 6 Jahren 4000 Studenten haben

Zahl steigt jährlich um bis zu 300 Studenten - Prof. Höpfl seit zehn Jahren Präsident der Fachhochschule - Dritte Amtszeit startet am 15. März

Prof. Höpfl mit einem Modell, wie der Hochschulausbau aussehen könnte

Deggendorf. Seit zehn Jahren ist Prof. Reinhard Höpfl Präsident der Fachhochschule Deggendorf. Eine Erfolgsgeschichte. Am 15. März beginnt seine dritte Amtszeit. Die Zahl der Studenten, derzeit 2700, könnte in diesen sechs Jahren auf 4000 anwachsen. Ab 2007 werden auch an der FH Studiengebühren erhoben, maximal 500 Euro pro Semester. Für MBA-Kurse an der FH zahlen Studenten jetzt schon das Zehnfache. Freiwillig.

Sie wurden gerade wieder als Präsident gewählt, Ihre dritte Amtszeit dauert sechs Jahre. Wo steht die FH Deggendorf im Jahr 2012?

Prof. Reinhard Höpfl: Nach der Demografie steigen die Studierendenzahlen bis 2014 um ca. 30 Prozent an. Das bedeutet für Deggendorf eine jährliche Zunahme von 200 bis 300 Studierenden. Das heißt, wir werden 2012 ca. 4000 Studierende haben.

Dann wird aber das schöne FH-Gebäude wohl zu klein sein. Gibt es bereits Baupläne?

Höpfl: Die Pläne gibt es schon lange. Gleich neben uns wird ein großes Gelände frei, das dem Bund gehört. Der Bauhof dort wird verlegt. Schon unter Minister Zehetmair wurde vereinbart, dass der Freistaat dann das Gelände vom Bund erwirbt, als Erweiterungsfläche für die FH.

Neue Räume für die Medientechnik

Was soll denn gebaut werden?

Höpfl: Wir brauchen Räume für die Medientechnik und für die Informatik, weiter eine Art Technikum, das flexibel genutzt werden kann, für Elektrotechnik und Maschinenbau. Aber man kann ja nie abschließend planen, die Wirtschaft verändert sich ständig, da kommen wohl in den nächsten Jahren neue Studiengänge dazu.

Im Sommer tritt das neue Hochschulgesetz in Kraft. Was ändert sich für die Fachhochschule?

Höpfl: Das neue Bayerische Hochschulgesetz stärkt die Eigenverantwortlichkeit und Entscheidungsfähigkeit der Hochschulen. Sie erhalten die Kompetenzen für das operative Geschäft. Für die FH Deggendorf werden - wie für alle Hochschulen in Bayern - Zielvereinbarungen erarbeitet und bis zum Jahr 2008 festgelegt. Dieser Prozess ist im Juni 2006 abgeschlossen. Die FH Deggendorf definiert fünf Ziele, die noch mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst abgestimmt werden.

Welche Ziele sind das?

Höpfl: Wir wollen uns noch stärker internationalisieren, vor allem in Richtung Osteuropa. Dann gibt es im neuen Hochschulgesetz eine Experimentierklausel, die einen eigenständigen Haushalt beinhaltet. Da wollen wir hin, zum Globalhaushalt. Das dritte Ziel: Wir wollen die Abschlüsse Bachelor und Master konsequent und schnell für alle Studiengänge einführen. Und dann wollen wir Vorkurse für unsere Studienanfänger einführen, die jetzt mit sehr unterschiedlichem Wissen starten. Die einen kommen vom Gymnasium, die anderen von der Fachoberschule oder von der Berufsoberschule. Nicht alle, die Ingenieurwesen oder Maschinenbau studieren wollen, kommen vom technischen Zweig, sondern auch vom Wirtschaftszweig, vom Sozialzweig. Da sind Schwierigkeiten vorprogrammiert. Wenn aber alle das gleiche Basiswissen haben, verbessert das die Erfolgsquote. Des Weiteren wollen wir unsere angewandte Forschung und Entwicklung ausbauen.

Künftig sollen alle Hochschulen ihre Studenten vor Studienbeginn auswählen. Machen Sie das schon?

Höpfl: Ja, in zulassungsbeschränkten Studiengängen wählen wir unsere Studierenden bereits jetzt aus. Das hat sich bewährt, es gibt weniger Studienabbrecher und verkürzte Studienzeiten.

Bayern hat fest zugesagt, dass die Studiengebühren, die 2007 eingeführt werden, zu 100 Prozent an den Hochschulen bleiben. Warten Sie schon auf das Geld?

Höpfl: Wir sprechen lieber von Studienbeiträgen, als Drittmittel für die Lehre. Sie werden zur weiteren Verbesserung der Lehre eingesetzt, um damit die Studienzeiten zu verkürzen und die Erfolgsquote zu erhöhen. Dafür sind sie auch notwendig und wir brauchen diese Mittel.

Sie wurden im Herbst als stellvertretender Vorsitzender der Präsidenten- und Rektorenkonferenz bayerischer Fachhochschulen wiedergewählt. Wie beurteilen Ihre Kollegen an den FHs die Studiengebühren?

Höpfl: Die Präsidenten und Rektoren aller bayerischen Hochschulen haben sich für die Einführung der Studienbeiträge ausgesprochen. Diese Studienbeiträge werden zur sorgfältigen Studienwahl, zum ernsthafteren Studium und zu einem erfolgreichen Studium beitragen.

Was wird sich denn dann für die Studierenden verbessern?

Höpfl: Die Studienberatung, der gesamte studentische Service an der Hochschule, von der Bibliothek über das Rechenzentrum bis zum Sprachenzentrum. Vor allem aber die gezielte verbesserte Betreuung der Studierenden durch Tutoren und Lektoren.

„Kein Student wird ausgegrenzt“

Besteht nicht die Gefahr, dass junge Leute ausgegrenzt werden, weil sie sich das Studium nicht mehr leisten können?

Höpfl: Nein, kein Student wird ausgegrenzt, es gibt bereits Angebote für Studienkredite von der Kreditanstalt für Wiederaufbau und anderen Kreditinstituten. Mit diesen Darlehen kann der Student seine Lebenshaltungskosten und die Studienbeiträge für das gesamte Studium finanzieren. Das Darlehen wird nach erfolgreichem Studium zurückbezahlt.

Wissen Sie schon, was das Studium an der FH Deggendorf ab Sommer 2007 kosten wird?

Höpfl: Der Senat der Hochschule wird die Höhe der Studienbeiträge in den nächsten Monaten festlegen. Fachhochschulen können 100 bis 500 Euro pro Semester erheben.

Alle Hochschulen Bayerns klagen über Unterfinanzierung. Der Staat ist klamm. Gibt es Drittmittel für FHs?

Höpfl: Natürlich können auch Fachhochschulen Drittmittel einwerben. Die FH Deggendorf hat ein jährliches Drittmittelaufkommen von etwa zwei Millionen Euro für angewandte Forschung und Entwicklung. Das ist ein Viertel unseres Etats. Das ist viel, aber das brauchen wir auch. Wir stecken die Gelder in Forschungslabors für Forschungsgeräte und wissenschaftliche Mitarbeiter.

Wo nehmen Sie weitere Drittmittel her?

Höpfl: Zum Beispiel aus der Weiterbildung, von unseren fünf berufsbegleitenden MBA-Programmen, die wir anbieten. Die werden sehr gut angenommen, kosten pro Semester 5000 Euro. Ein MBA-Programm kostet ca. 15 000 Euro. Das wird gerne investiert, da es für die berufliche Qualifizierung oder die Karriereplanung erforderlich ist. Wir bieten allgemeines Management an, das wird vor allem von Ingenieuren genutzt, die nach einigen Berufsjahren ins Management aufsteigen. Ein großer Erfolg ist auch das Angebot Gesundheitsmanagement. Wir bieten ferner einen MBA in Personal- und Organisationsentwicklung sowie für Unternehmensgründung und -führung an.

Die Fachhochschulen standen ja immer im Schatten der Universitäten. Das soll anders werden. Wie entwickelt sich die Zusammenarbeit mit den Universitäten in der Nachbarschaft?

Höpfl: Sehr gut. Wir haben mit der Uni Passau erst kürzlich einen Vertrag für den Bereich Informatik abgeschlossen. Die Universität Passau bietet einen neuen Studiengang Informatik mit Schwerpunkt intelligente technische Systeme an, dazu benützen sie die Labore der FH Deggendorf, ferner engagieren sich auch Professoren der Elektronik der FH Deggendorf in der Lehre. Wir arbeiten mit Passau und Regensburg sehr gut zusammen im Bereich Gründungsforschung, Gründungslehre und Gründungsmanagement. Mit der Technischen Universität München arbeiten wir mit dem Wissenschaftszentrum Straubing im Bereich der Fertigungstechnik zusammen.

Auf dem Sprung nach China

Im Bericht der Mittelstraß-Kommission wird lobend erwähnt, wie eng Sie im Bereich Maschinenbau mit Aachen zusammenarbeiten.

Höpfl: Unsere Stärke ist die Bearbeitung von optischen und keramischen Oberflächen. Wir können sehr genau polieren und arbeiten da mit dem Fraunhofer Institut für Produktionstechnik in Aachen zusammen, aber auch mit vielen anderen Universitätslabors und Instituten sowie Firmen.

Sie sind auf dem Sprung nach China. Was wollen Sie da?

Höpfl: Wir haben in den vergangenen Jahren für viele Gruppen aus China Seminare in den Bereichen IT, Maschinenbau, Elektrotechnik und Unternehmensgründung durchgeführt. Und nun besuchen wir umgekehrt Universitäten, Forschungseinrichtungen, um unsere Kontakte zu vertiefen und auszubauen.

Denken Sie da auch an Zusammenarbeit, an chinesische Studenten in Deggendorf?

Höpfl: Unter unseren 250 ausländischen Studierenden sind schon viele aus China. Aber wir hätten gerne noch mehr und wir wollen auch in der Forschung und Entwicklung noch stärker kooperieren.

Interview: Cornelia Wohlhüter

"Deggendorfer Zeitung" vom 08. März 2006

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